
Donnerstag, 31. Mai 2012
Heute wurden wir mehrfach positiv überrascht. Nach dem durchzogenen Wetter gestern freuten wir uns besonders, von einem stahlblauen Himmel begrüsst zu werden. Die knapp fünfstündige Fahrt in den Yellowstone Park auf der auf dem Highway 14 hatten wir uns landschaftlich einigermassen ereignislos vorgestellt - doch weit gefehlt! Zuerst durchquerten wir den Bighorn National Forest, wobei wir wieder einmal einen Pass bewältigen mussten. Die Aussicht von der kurvenreichen Strecke hinunter auf die Ebene war wunderschön.
Die Weiterfahrt in die Westernstadt Cody führte über idyllische, hügelige Graslandschaften. In der Ferne konnten wir bereits die schneebedeckten Rocky Mountains erahnen. Nach dem schlechten Wetter gestern erschienen sie noch deutlich weisser als zuvor.
Auch nach Cody blieb die Landschaft schön - am Buffalo Bill Damm machten wir kurz halt um die satten Farben rund um den Stausee zu dokumentieren. Im Besucherzentrum erfuhren wir auch, dass der Fluss, der den Stausee speist eine Namensänderung hinter sich hat: aufgrund der bereits in diesem Gebiet auftretenden Schwefeldämpfe hiess der Fluss früher Stinky River. Bald wurde aber klar, dass dies angesichts des aufkommenden Tourismus wohl keine schlaue Wahl war, und so wurde kurzerhand der Stamm der Shoshonen als Namensgeber auserkoren. Unten rechts ein Bild des „Stinkers“.
Im Yellowstone angekommen wurde uns sehr bald das Ausmass und die Vielfalt dieses unglaublichen Parks bewusst. Einmal mehr geht nichts ohne Auto. Vom Westeingang her kommend, fährt man zuerst über einen Pass und erblickt dann bald den riesigen Yellowstone Lake, auch hier mit den malerischen Schneebergen im Hintergrund.
Wir beschlossen, schon mal die Sehenswürdigkeiten auf der Canyonroute in Angriff zu nehmen. Bald zeigten die ersten Dampfschwaden heisse Stellen an, also Orte, an denen Gase und Hitze aus dem Erdinnern Wasser oder Schlamm heftig brodeln lassen. Unverkennbar dabei: der intensive Geruch nach Schwefelwasserstoff. Faszinierend und ein bisschen unheimlich, wie nahe man dem Erdinnern hier ist!
Da der Yellowstone von einmaligen Naturphänomenen über eine interessante Wildtierpopulation eigentlich über alles verfügt, war es nicht weiter erstaunlich, dass wir auch imposante Wasserfälle antrafen. Der höhere stürzt sich 90 m in die Tiefe. Wir rissen uns zusammen und nahmen den Serpentinenweg mit 300 Höhenmetern Unterschied in Angriff. So gelangten wir zur „Absturzkante“ des Lower Falls, wo wir die unglaubliche Wucht des Wassers hautnah erleben konnten. Und ja, bei der weissen Masse auf dem Felsen im Bild rechts handelt es sich tatsächlich um Schnee! Auf Schneereste trafen wir an verschiedenen Orten, kein Wunder bei den sehr bescheidenen Temperaturen von knapp 10 Grad... Auch von Regen blieben wir am Nachmittag leider wieder nicht verschont.
Die Wasserfälle münden übrigens in den Yellowstone River, der - wie könnte es anders sein - verantwortlich ist für einen imposanten Canyon. Unbescheiden wird dieser „The Grand Canyon of the Yellowstone“ genannt.
Das Nachtessen im Dining Room des Grant Village war ausserdem ein besonderes Erlebnis. Der Kellner hatte wohl seinen ersten Tag - oder zumindest seine erste Woche - im neuen Job. Zuerst wurde Roman beinahe mit Cola geduscht und später, als die Rechnung bereits auf dem Tisch lag, wurden wir doch noch gefragt, ob wir eventuell noch gerne ein Dessert hätten...
Morgen geht unsere Entdeckungstour im Nationalpark weiter - wir freuen uns!