
Donnerstag, 24. Mai 2012
Der heutige Tag war geprägt von den Pueblo Indianern längst vergangener Zeiten. Nach einem beeindruckenden Sonnenaufgang im Monument Valley fuhren wir via Mexican Hat (der Ort hat seinen Namen aufgrund der markanten Gesteinsformation in der Nähe) zum Hovenweep National Monument. Inmitten des Streifens Niemandsland an der Grenze von Utah und Colorado liegen die abgeschiedenen, gespenstisch anmutenden Ruinen der Vorfahren der Pueblo Indianer. Dort gibt es sechs verschiedene Ansammlungen von Ruinen, die an den Rändern nicht allzu tiefer Schluchten liegen. Die grösste Ruine, das Hovenweep Castle wurde im Jahr 1200 nach Christus errichtet.
Die Gegend im Süden von Colorado ist bereits nicht mehr mit der trockenen Wüstenlandschaft von Süd-Utah zu vergleichen. Unterwegs in Richtung Cortez, einer Stadt in der Nähe des Mesa Verde Nationalparks, fuhren wir entlang von schier endlosen Feldern und Äckern, die aber immer noch stark von Bewässerungssystemen abhängig sind. Die landwirtschaftlich geprägte Region und die gebirgige Landschaft um den Mesa Verde National Park geben uns einen kleinen Vorgeschmack auf die Bergregionen der Rocky Mountains, die später auf dem Reiseprogramm stehen.
Ach ja, bevor ich es vergesse: Die Wüste lebt tatsächlich - wir wurden auf unserer Tour vom Strassenrand aus von flinken, neugierigen aber dennoch sehr scheuen Tieren beobachtet. Trotzdem gelangen die nebenstehenden Bilder.
Der Mesa Verde Nationalpark schliesslich ist der einzige Nationalpark der USA, der nicht dem Erhalt der Natur, sondern der Bewahrung archäologischer Schätze dient. Die Stätte ist derart abgelegen, dass die weitläufigen Ruinen der Vorfahren der Pueblo Indianer erst ab 1888 erforscht wurden, nachdem ein Landwirt sie auf seinem Grundstück entdeckt hatte. Was diese abgelegenen und unzugänglichen Wohnstätten notwendig machte, ist noch nicht vollständig geklärt. Möglicherweise dienten die Siedlungen in den Klippen Verteidigungszwecken, vielleicht überwogen aber auch praktische Überlegungen bei der Wasserbeschaffung.
Wir hatten die Gelegenheit eine geführte Tour durch den Cliff Palace zu unternehmen. Dabei handelt es sich um die grösste erhaltene Felswohnstätte, 30 Meter unterhalb eines Felsüberhanges versteckt. In den 217 Räumen lebten einst über 200 Menschen. Unser Guide indianischen Ursprungs erzählte einfühlsam über das Leben im Einklang mit der Natur (Mother Earth and Father Sky) und über eine Gesellschaft, die sich im Gegensatz zu unserer über die Mutterlinie definiert - d.h. das Erbe wurde über die weibliche Linie weitergegeben. Ausserdem war es üblich, dass der Mann nach der Hochzeit in die Wohnstätte der Frau zog.
Unser Hotel, die Far View Lodge liegt mitten im Nationalpark und wir haben eine fantastische Weitsicht über die Umgebung. Im Metate Room der Lodge liessen wir den Tag beim Abendessen ausklingen. Morgen geht es in der Frühe nordwärts nach Moab.