
Samstag, 8. November 2014
Nach einer unruhigen Nacht ohne Klimaanlage in der Mount Bundy Station und mit Ameisen, die es auf unsere Zahnpasta abgesehen hatten, freuten wir uns doch auf die Rückkehr in die Zivilisation. Bereits um 6 Uhr standen wir auf, um noch vor der ärgsten Hitze den Litchfield Nationalpark besuchen zu können.
Gleich als Erstes kann man die Bauten der sogenannten Kompasstermiten bestaunen, die exakt entlang der Nord-Süd-Achse ausgerichtet sind. Die schlauen Tiere bauen ihr Zuhause so, dass immer eine Seite im Schatten ist und so die insgesamt der Sonne zugewandte Fläche minimiert wird. Forscher haben herausgefunden, dass sich die blinden Termiten am Magnetfeld der Erde orientieren, um diese Leistung zu vollbringen.
Im Park gibt es ausserdem zahlreiche Wasserfälle und Pools, die tagsüber krokodilfrei sind und zum Baden einladen. Angeblich sind die „Freshies“ (Süsswasserkrokodile), die abends zum Fressen kommen, „lieb und harmlos“. Bei den Wangi-Falls wanderten wir eine Stunde lang auf das Hochplateau und auf einem Rundweg zurück zu den Fällen, wobei wir so einiges von der Dschungelflora und -fauna sahen, hörten und rochen. Die schmalen Wangi-Falls und der darunterliegende Pool werden sich in den nächsten Wochen durch die Regenfälle dramatisch verändern - aus heutiger Sicht schwer vorstellbar!
Auf der Fahrt Richtung Darwin machten wir einen kleinen Umweg und liefen mit Genuss doch noch in die Touristenfalle, genannt „Jumping Crocodile Cruise“, die sich als sehr unterhaltsam und beeindruckend erwies. Unser Bootsführer Rob, der eine gewisse Ähnlichkeit mit Crocodile Dundee aufweist, hatte sehr viel Ahnung von den gefürchigen Reptilien und plauderte aus dem Nähkästchen. Auf dem 1‘500 km langen Adelaide River leben 7‘000 Salzwasserkrokodile („Salties“), die durchaus 70-100 Jahre alt werden können. Auf deren Speiseplan steht: ALLES. Die Viecher können sich absolut lautlos und elegant fortbewegen, können unter Wasser mit einem Herzschlag von nur 2-3 Schlägen pro Minute stundenlang ausharren und sind die perfekten Raubtiere. Beispiel gefällig? (Siehe Bilder unter...)
Die Kiefer sind übrigens nicht zum Kauen da, sondern nur zum Schnappen... Arglose Kühe, die aus trockenen Gebieten zum Weiden in die Feuchtgebiete gebracht werden, freuen sich für gewöhnlich auf eine Erfrischung am Wasser. Das freut die Salties umso mehr, und so fielen hier in den letzten zwei Wochen fünf Kühe den Echsen zum Opfer. Manchmal werden aber auch die Krokodile selbst zu Gejagten. Von den 60-70 Eiern eines Geleges schaffen es gerade mal 2-3 Tiere bis ins Erwachsenenalter, da die Jungtiere z.B. für Raubvögel ein gefundenes Fressen sind. Hinzu kommt, dass oft ganze Gelege nach Unwettern einfach weggespült werden.
Einen tollen Auftritt auf der Bootstour hatten auch die Raubvögel. Ein Adler holte sich im spektakulären Vorbeiflug ein Stück Fleisch. Sofort wollten ihm die Kites (Falken? Bussarde?) die Beute streitig machen, die der Adler aber geschickt versteckte. Der Adler macht sich offenbar allgemein nur wenige Freunde, da er Jungvögel aus Nestern stiehlt und sowieso ein sehr egoistisches Naturell hat. Normalerweise legt ein Adlerweibchen zwei Eier. Der zuerst geschlüpfte Jungadler rollte dann einfach kurzerhand das zweite Ei aus dem Nest, um die Aufmerksamkeit der Eltern für sich allein zu haben.
Die Kites sind übrigens unglaublich geschickte Jäger, sie holten sich die zugeworfenen Fleischstücken im Flug und verspeisten sie auch gleich. Mit dieser Fähigkeit stehen sie alleine auf weiter Flur und haben sich den Übernahmen Quantas-Birds eingehandelt (inflight meals ;-)).
Nun sind wir zurück in Darwin angelangt und geniessen unser normales Hotelzimmer ;-) Morgen müssen wir bereits um 4:30 Uhr aus den Federn, um unseren Flug nach Alice Springs zu erwischen. Wir freuen uns schon sehr auf das rote Zentrum!