
Mittwoch, 27. März 2019
Wir hatten uns bereits mehrfach über die Leichtbauweise lustig gemacht, wie hier die Häuser gebaut werden. Zwar sind die Fassaden gemauert, innen bestehen die Wände wahrscheinlich aber nur aus Karton und Verputz. Auch die Schiebefenster sind im Zweifelsfall wohl nur Dekoration. Wir schliessen zwar die Fenster und Türen jeweils ab, jedoch im Wissen darum, dass es lediglich einen kräftigen Ruck braucht und offen sind die Dinger. Auch die Eingangstüre würde bei uns in der Schweiz versicherungstechnisch wahrscheinlich höchstens als „bessere Gartentüre“ durchgehen. Was mir aber heute bewusst wurde, ist die Tatsache, dass sowohl der gedeckte Sitzplatz als auch alle Fenster von aussen mit Metallverschlägen, einer Art faltbarer Metallvorhang, sturmdicht verschlossen werden können (siehe Foto). Im Ernstfall, also im Falle eines Wirbelsturms, würde es dann heissen „Schotten dicht!“ und die belächelten Fenster wären sturmfest von aussen geschützt und verschlossen.
Dicht war auch unser Boot heute und es blieb es auch - zum Glück. Wir hatten ja einen weiteren Bootsausflug geplant. Eine Tour auf eigene Faust und frei wie der Wind. Dazu mieteten wir eine Nussschale, die auf den ersten Blick wie ein Sofa mit Aussenbordmotor aussah. Ungeheuer bequem war das Ding aber und wir hatten zu fünft endlos Platz und Beinfreiheit.
Bei der Übernahme meinte der Skipper noch, ob wir Erfahrung mit Booten hätten. Ja klar! Werner verbringt die Sommerwochenenden ja vorzugsweise auf dem Vierwaldtstättersee. Und ich war immerhin einen WK lang als Pontonier-Fourier unterwegs und einmal sogar mit der Schwimmbrücke der Armee schon die Aare hinunter gedümpelt. Damit hatte ich mir also sozusagen das Seepferdchen-Abzeichen im Bootsfahren geholt! Seekarte? Nö, brauchen wir nicht, wi häf GPS!
Es lief auch wie am Schnürchen: Ablegen und die Kanäle entlang tuckern, vorbei an grossen Villen mit noch grösseren Yachten davor. Unser erstes Ziel war unser Häuschen, das vom Hafen aus über die unzähligen Wasserstrassen in etwa 20 Minuten erreichbar ist. Schon lustig, wie die Quartiere hier mal von der anderen Seite her betrachtet aussehen. Insbesondere die südlichen Stadtgebiete von Cape Coral sind perfekt vom Wasser aus zugänglich und ein verzweigtes System von Kanälen erschliesst die Häuser fast schon wie in Venedig. Wer hier etwas auf sich hält, hat also vor der Villa auch ein Boot am Steg!
Nach einem kurzen WC Stop für die Besatzung ging es dann weiter zum nächsten Ziel, hinaus aufs Meer. Unbekümmert liessen wir den Hafen hinter uns und steuerten auf die vorgelagerten Mangroveninseln zu. Nach etwa zehn Minuten entdeckten wir einen Delfin, der sich in unmittelbarer Distanz zum Boot im Wasser tummelte. Kurz entschlossen folgten wir dem verspielten Tier für etwa einen Kilometer, schossen Fotos und bewunderten die akrobatischen Luftsprünge.
Irgendwann verloren wir den Flipper aber aus den Augen und setzten Kurs auf eine weitere Inselgruppe in der Nähe. Mit voller Kraft voraus - also alles, was unser motorisiertes Sofa hergab, tuckerten wir über die Wellen. Ich weiss noch, dass mir die helle Verfärbung des Wassers plötzlich auffiel und ich glaube mich zu erinnern, dass ich mit dem Steuer in der Hand noch in die Runde warf, wie es vorne eigentlich mit der Wassertiefe aussehe...
Kkkkkkkrrrrrrrrrrsch! Und wir standen. Buchstäblich. Etwa 2.5 Kilometer vom Hafen entfernt im Meer draussen. Mit einer Mischung aus ungläubigem Erstaunen und leichtem Schrecken sahen wir einander an. Niemand sagte etwas. Sch.....öner Moment!
Ich hatte ja gestern mit einem Ohr etwas von Sandbänken und knöcheltiefem Wasser gehört. Tja, nächstes Mal besser zuhören, ich Depp! In meinen Gedanken trällerte Céline Dion bereits „my heart will go on“ aber das einzig Positive an der festgefahrenen Situation war: Sinken konnten wir nicht - mehr. Eisberge waren auch keine in Sicht.
Ich fühlte mich in diesem Moment ja sowieso mehr wie Captain Kirk auf der Enterprise nach einem Überraschungsangriff der Klingonen: Chekov, Statusbericht? Schiff beschädigt? Nein Sir, die Schilde halten!
Unsere persönliche Frau Ingenieurin hatten wir ja dabei aber leider liegt ihr Fachgebiet mehr bei den Oberflächen, während unser gegenwärtiges Problem eher UNTER der Oberfläche, also unter der Wasseroberfläche lag.
Die klügste Reaktion, nämlich mit Schub retour, kam uns in dem Moment natürlich auch nicht gerade in den Sinn und wir versuchten das Problem im entschlossenen Vorwärtsgang zu lösen. Mehr oder weniger erfolglos.
So liessen wir uns vorerst ein paar Minuten von den Wellen etwas schaukeln und staksten mit dem Schiffshaken am Heck im Meeresboden herum. Zentimeter für Zentimeter schob sich unsere Nussschale auf diese Weise nun etwas vorwärts und nach einer gefühlten Ewigkeit ergab die Prüfung des Wasserstandes am Bug endlich, dass wir wieder Wasser unter dem Kiel hatten. Heureka! Jetzt bemerkten wir auch, dass alle andern Boote rundherum einen ziemlich anderen Kurs hatten und wir eigentlich alleine auf weiter Flur standen. Wieso das so war, wussten wir nun auch. Auch dass dieses Gebiet mit einem roten Ausrufezeichen und dem Text „local experience recommended“ gekennzeichnet war, sahen wir dann auf der beiseite gelegten Karte 😳 „We have GPS!“ 🙈 Touristen eben.
Beeindruckt und etwas vorsichtiger fuhren wir dann langsam Richtung Hafen zurück. Kaum etwa 100 Meter losgefahren, rief Sonja - nun als Späherin am Bug platziert - aber wieder „ich sehe den Boden!“ Und wieder Halt, diesmal aber freiwillig. Vorsichtig und sehr langsam tasteten wir uns nun mit der Nussschale entlang der Untiefen wieder retour in die vorgesehenen Schifffahrtswege.
Trotzdem liessen wir uns nicht unterkriegen und steuerten nochmals die Kanäle von Cape Coral an - sicher ist sicher, da hat‘s definitiv genügend Wasser drin.
Den Abschluss fand die abenteuerliche Bootstour dann am späten Nachmittag. Im Hafen konnten wir nochmals drei Delfine beobachten und fotografieren, die im Wasser spielten. Mein persönliches Highlight ist aber unsere Landung am Steg. Noch nie gemacht und trotzdem sanft wie eine Feder angelegt - läck war ich stolz 😁
Morgen geht‘s dann weiter mit spannenden Entdeckungen. Wir besuchen das Six Mile Cypress Slough Preserve, einen Tierschutzpark mit Alligatoren und Schildkröten.
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Steve Leiser
Ab dere Story hemmer scho bizzli müesse lache. Vorallem be dere Stell: „Kkkkkkrrrrrrrsch!“. Glg. DaBeSt
28. März 2019
Roman
Jo, jetzt lache mer au weder aber grad denn esch eus scho weniger drum gsi 😱
28. März 2019
Steve Leiser
Das chamer guet vorstelle. Hauptsach ihr sind heil zrugg cho. Es erläbnis wo euch sicher in Erinnerig blibt
28. März 2019
Roman
Ou jo 👍🚤
28. März 2019
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Sonja Neuhaus & Roman Gubser
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