
Sonntag, 19. April 2015
Heute wurde uns wieder ein relativ früher Start abverlangt - aber es hat sich definitiv gelohnt! Kurz nach neun standen wir bereits am Flughafen Key West am Schalter der Keywest Seaplane Charters und erhielten Schnorchel-Ausrüstung und eine riesige Kühlbox mit Getränken für den ganzen Tag. Wir mussten einen Waiver "of common sense" unterzeichnen, damit wir auf den Dry Tortugas trotz fehlender Handläufe und Geländer keinen Mist bauen würden. Tja, die Amis sichern sich halt gegen alles ab ;-)
Zu zehnt ging es dann im Wasserflugzeug auf einem 35-minütigen Flug Richtung Dry Tortugas. Allein Hin- und Rückflug waren schon sehr tolle Erlebnisse. Im Tiefflug konnten wir das Farbenspiel im Wasser zwischen grün, türkis und dunkelblau geniessen und nach Meeresschildkröten und Haien Ausschau halten. Von beidem konnten wir vom Flugzeug aus verschiedene Exemplare erkennen. Auch zwei versunkene Schiffe konnten wir bestaunen - rund um das eine werden noch heute spanische Goldmünzen gefunden, während das andere von der US-Marine absichtlich für Übungszwecke versenkt worden war. Weitere Highlights unterwegs waren die Marchesas, eine Inselgruppe die sich aus Korallen gebildet hatte und nun ein mit Mangroven bewachsenes Naturreservat sind. Zudem überflogen wir eine Sanddünen-Landschaft unter Wasser. Das wenige Meter tiefe Wasser hat an gewissen Stellen wahre Unterwasser-Wüstenlandschaften hervor gebracht und noch heute wird in diesen untiefen Gewässern nach spanischen Goldschätzen getaucht.
Auf der Insel angekommen hatten wir dann ausgiebig Zeit, Fort Jefferson und Umgebung zu erkunden.
Wir konnten uns des Eindrucks nicht erwehren, dass das Fort eigentlich eine Fehlkonstruktion war. Zwar ist es das grösste Backsteingebäude in der westlichen Hemisphäre, allerdings wurde es nie ganz zu Ende gebaut, da es unter dem Eigengewicht zusammenzusacken drohte. Die Süsswasserzisternen wurden schon nach kurzer Zeit undicht und liessen die Versorgungslage mit Wasser äusserst prekär werden (deshalb DRY tortugas). Die Verteidungsfunktion des Forts war vorerst nur durch einen gewagten Bluff des Kommandanten gewährleitet: ohne eine einzige Kanone zu besitzen, drohte er einem feindlichen Schiff mit Beschuss innert zehn Minuten. Der Bluff wirkte und das Schiff zog von dannen. Das Fort wurde dann auch obsolet, sobald die Kanonenkugeln gross genug waren, um Backsteinmauern zu durchdringen...
Nichtsdestotrotz sind Insel und Fort heute ein tolles Ausflugsziel mit unglaublich schöner Aussicht. Beim Schnorcheln kann das nahe Riff erkundet werden und auch weniger Wagemutige oder weniger Ausdauernde werden schon entlang der Fort-Mauer fündig. Roman legte eine sehr ausgiebige Schnorcheltour ein, brachte aber nebst vielen Eindrücken und Unterwasserfotos leider auch einen roten Rücken mit zurück ans Land. Kurz vor der Rückkehr nach Key West wurden wir von anderen Touristen auf einen Alligator im "Burggraben" aufmerksam gemacht. Wenn wir das gewusst hätten, wären wir wohl nicht so unbekümmert schwimmen gegangen.
Den erlebnisreichen Tag liessen wir entspannt bei einem Nachtessen im Casa Marina ausklingen. Morgen werden wir die Keys durch die Everglades Richtung Norden verlassen und nach etwa 5 Stunden Autofahrt Naples erreichen.